Für ein Maß an Gummibärchen

100 Gramm sind 100 Gramm. Wenn das auf einer Packung Gummibärchen drauf steht, sollte auch genauso viel drin sein. Dass die Süßigkeiten vor dem Verpacken präzise abgewogen werden, dafür sorgen die Kombinationswaagen der Unternehmensgruppe ATOMA-MULTIPOND aus Waldkraiburg.
Kein Unternehmen hat etwas zu verschenken. Wenn etwa der Süßigkeiten-Riese Storck seine Campinos abfüllt und in jeder Packung auch nur ein paar Gramm zu viel sind, verschenkt er Geld. «Das nennt man Give-away», erklärt Wilhelm Krämer, Geschäftsführer der ATOMA-MULTIPOND-Gruppe aus Waldkraiburg. Denn wenn auf der Packung 100 Gramm draufsteht, bekomme das Unternehmen schließlich auch nur das Geld für die 100 Gramm.
Um die Waren präzise abwiegen zu können, arbeiten viele Lebensmittelhersteller mit Kombinationswaagen der MULTIPOND konzipiert, gefertigt und gebaut in Waldkraiburg. Die Unternehmensgruppe machte 2007 einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro und hat 160 Mitarbeiter. 125 Menschen arbeiten am Hauptsitz Waldkraiburg, die restlichen in den Tochterunternehmen in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA. Vor zwei Jahren wurde das 60. Firmenjubiläum gefeiert.
Der Betrieb stellt vollautomatische Mehrkopf- und Kombinationswaagen für die Verpackungsindustrie her. Zu 95 Prozent werden die Wägesysteme in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, erklärt Krämer, der restliche Anteil bezieht sich auf die Verpackung von Kleinteilen oder etwa Granulaten. «Im technischen Bereich sind wir Weltmarktführer, vom Ausstoß her stehen wir an dritter Stelle», so Krämer, der den Output auf rund 150 Wägesysteme pro Jahr beziffert.
Kunden der MULTIPOND sind neben Storck auch Wagner Pizza, Manner und Burgi's. Manche Produkte sind einfacher abzuwiegen und zu dosieren, wie etwa Gummibärchen. Bei Salatblättern oder Spätzle wird es schon schwieriger. Daher hat jedes Produkt seine eigene Anforderung an die Waage. «Wir passen die produktfördernden Teile individuell an, je nach Beschaffenheit des Produktes», erklärt Thomas Kozel, technischer Redakteur des Unternehmens. Etwa der Winkel der Förderrinne wird verstellt, oder die Rinne wird beschichtet mit Teflon zum Beispiel. Mannerschnitten etwa hinterlassen eine Schokoschicht auf den Förderbändern, also werden diese gekühlt.
«Das Dosieren ist der Knackpunkt», so Kozel.
Die Mehrkopf-Kombinationswaage funktioniert folgendermaßen: Das Produkt, etwa die Campino-Bonbons, werden auf den Förderteller oben auf der Waage geschüttet und in die Dosierrinnen verteilt, die sternförmig angeordnet sind. Über Vibration gelangen die Bonbons in die Vorratsbehälter (auf unserem Bild rot), gelangen in die darunter liegenden Wägebehälter und werden dort gewogen.
Dann kommt das Computerhirn ins Spiel. «Der Rechner kombiniert die Mengen aus den verschiedenen Behältern. Er ermittelt, welche Kombination aus den Behältern dem Nennfüllgewicht am nächsten kommt», so Kozel. Diese Aufgabe erfülle eine MULTIPOND-Waage annähernd perfekt.
Zwar seien die Waagen teurer, als die der japanischen Mitbewerber. «Aber der Give-away kostet die Firmen mehr.» Der Anschaffungspreis amortisiere sich schnell. Auch seien die in Waldkraiburg gefertigten Waagen sehr viel präziser als die japanischen, ergänzt Nina Pollack von der Marketing-Abteilung bei einer Führung durch die Fertigungshalle. Man wolle kundenspezifische Lösungen anbieten und keine Waagen von der Stange produzieren.
Die weltweite Finanzkrise, die auch schon einige Firmen in Waldkraiburg und Umgebung hart getroffen hat, verschont die MULTIPOND Man hat sogar drangebaut und die Versandabteilung vergrößert. «Gegessen wird immer», sagt Geschäftsführer Krämer, «auch in Krisenzeiten.» In der Rezession greife der Kunde halt zu günstigeren Produkten im Supermarkt. Und diese Waren müssten ebenso exakt abgewogen werden, bevor sie in die Verpackung kommen. kla

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